ORTF-3D Verfahren

Eine optimale Atmoanordnung für 8 Kanäle bietet das neue "ORTF-3D"-Verfahren (Entwicklung: Helmut Wittek, Günther Theile). Es ist quasi eine Doppelung des "ORTF Surround"-Verfahrens auf zwei Ebenen. Das heißt, es werden je vier Supernieren für die untere und die obere Ebene in einem Rechteck mit 10*20 cm Kantenlänge angeordnet. Die beiden "ORTF-Surround"-Anordnung sind direkt übereinander ohne Abstand angeordnet.

Prototyp des ORTF-3D, ICSA 2015

Bild: Vorstellung des Prototyps des ORTF-3D Verfahrens auf der Fachkonferenz ICSA 2015. 8 Supernieren, Horizontal: 10/20cm, 80/100°. Vertikal: 0cm, 90°

Zusätzlich sind die Mikrofone jeweils nach oben bzw. unten geneigt, um für Signaltrennung in der vertikalen Ebene zu sorgen. Es entsteht also eine 8-kanalige Anordnung, deren Abbildung innerhalb der horizontalen Ebenen in etwa dem "ORTF Surround"-Verfahren entspricht. Die Mikrofonsignale werden diskret auf die Kanäle L, R, LS, RS (untere Ebene) und Lh, Rh, LSh, RSh (obere Ebene) geroutet. Bei Anwendung für VR werden meist virtuelle Lautsprecherpositionen in der Geometrie eines gleichmäßigen Würfels binauralisiert.

Die Abbildung in den vertikalen Lautsprecherpaaren wird durch die aus der Neigung der Mikrofone entstehenden 90° X/Y-Paare aus zwei Supernieren erzeugt. Durch die hohe Richtwirkung der Supernieren ist hier eine zweikanalige koinzidente Anordnung möglich, und sowohl Abbildung als auch Diffusfeld-Dekorrelation sind gut. Eine noch besser Dekorrelation ist in der Vertikalebene gar nicht nötig, denn Hyun-Kook Lee (Uni Huddersfield) fand heraus, dass die Dekorrelation im Diffusfeld in der Vertikalebene weniger hörbar/relevant als in der Horizontalebene ist.

ORTF3D_XYPair 

Bild: Veranschaulichung der vertikalen Ausrichtung der Kapseln: X/Y-Mikrofonpaar für ein übereinander angeordnetes Lautsprecherpaar.

Insgesamt entsteht ein 8-Kanal-Array mit hoher Signaltrennung, optimaler Diffusfeld-Dekorrelation und guter 3D-Abbildung bei hoher Stabilität im Wiedergaberaum. Obwohl alle Forderungen optimal erfüllt sind, ist das Array nicht größer geworden als das kompakte ORTF Surround-Verfahren - ein entscheidender Vorteil für die Praxis!

Zahlreiche Testaufnahmen haben bereits gezeigt, dass das ORTF-3D Setup sehr schöne, räumlich offene und stabile 3D-Aufnahmen erzeugt.

 

Bild: ORTF-3D Windkorb ohne Hülle, Blick von unten
  • 3D-Audio

    Die neuen Wiedergabeverfahren, die mit dem Begriff "3D-Audio" zusammengefasst werden, realisieren eine Tonwiedergabe aus allen Raumrichtungen. Dies gilt für die stereofonen Verfahren Dolby Atmos und Auro3D genauso wie für binaurale und VR-Verfahren ("VR"=Virtual Reality) und die Systeme der Schallfeldsynthese, also Ambisonics und Wellenfeldsynthese. 3D-Audio kann gegenüber 5.1 die räumliche Wahrnehmung deutlich verbessern, denn nicht nur können nun elevierte Quellen wiedergegeben werden, sondern auch bei den Attributen Umhüllung, Natürlichkeit und Klangfarbe können merkbare Verbesserungen erzielt werden. Auch die Hörzone kann größer werden, man kann sich freier im Wiedergaberaum bewegen, ohne dass das Klangbild in einen Lautsprecher kollabiert.
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